AZULABI

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Der Herr Titus ist ein hervorragender Handwerkerassistent. Die neue Klobrille hat er gleich von der Tiefgarage in die frischbezogene Wohnung einer gemeinsamen Freundin transportiert und am Weg schon mal, ähm, vorsorglich ausgepackt, vermutlich um mir Zeit zu sparen (diese blöden Kartonverpackungen, kaum zerrst du zweimal mit den Zähnen dran, reißen sie schon auf).

In der Wohnung begrüßte Herr Titus natürlich zunächst ausgiebig die Hausherrin, nebenbei sondierte er gleich Handtasche, Einkaufstüten und IKEA-Säcke quasi im Vorbeiwedeln mittels tief eingetauchter Schnauze. Dann wurde die Wohnung kurz inspiziert.

Als ich mein Werkzeug schnappte und ins Bad ging, folgte er mir und sah zu.
Bei der alsbald von lautstarken Nichtbegeisterungsrufen (sprich Fundamentalflüchen) meinerseits begleiteten Demontage der alten Brille, die sich mit zäher, über Jahrzehnte entwickelter Versifftheit an die Klomuschel klammerte, blieb Herr Titus noch in einem Sicherheitsabstand stehen.

Dann aber schlug die Stunde des Installateurassis. Damit ihm auch keiner der lehrreichen Handgriffe entging, kam er ganz nahe und blickte mir über die Schulter. Verdammt! Das neuartige Befestigungssystem der WC-Brille war unpraktisch, dafür aber reichlich tricky, (sogar für Hunde).
Ich musste mich tief nach vor und hinunter beugen, um zu sehen, wo ich tun konnte, was die Gebrauchsanweisung mir weismachen wollte. Herr Titus folgte jeder meinen Bewegungen synchron, beugte sich mit vor, ging einen Trippelschritt zurück, wenn ich mich aufrichtete. Er blickte mit mir intensiv unter den Klomuschelrand, um die Halterungsmöglichkeiten zu inspizieren.
Schließlich – getragen von der tatkräftigen Hilfe meines Azulabi – hatte ich endlich die eine Seite so halb und halb geschafft.
Während ich dann versuchte, auf der anderen Seite – mangels Platz im Blindflug – Beilagscheibe, Gewindestange, Mutter und Plastikdichtung in der richtigen Reihenfolge zu montieren, kam Herr Titus wieder ganz nahe und blickte mal unter, dann über meine Schulter auf das Geschehen, und hechelte mir dabei, von interessierter Spannung getrieben, ein wenig frischen Labi-Atem zu.

Als ich wegen der Fummelei mit dem Befestigungsset kurz davor war, meine übliche Gelassenheit gegen einen Wutanfall zu tauschen, ließ ich von dem Werk ab und mich in die Hocke zurücksinken, genervt ausatmend und drehte mich zu meinem Assistenten.

Da stand er, der Labilackel, riesig in dem engen Bad wirkend, seine Schnauze fünf Zentimeter vor meinem Gesicht, das rosa Zungenspitzerl leicht heraushängend, und blickte mich mit seinen klugen, wunderbraunen Augen direkt an. Sein beharrliches begeistertes breites Hundegrinsen war so ansteckend, dass ich statt unschöner Worte über Schreibtischtäter als WC-Brillen-Konstrukteure [die vermutlich von Geburt weg künstliche Darmausgänge und deshalb keine Ahnung hatten, wie man einen leicht zu befestigenden Kackthrondeckel baut] zu proklamieren, lieber laut auflachte und die zwei Labibacken und die darüber montierten Ohren ausgiebig knuddelte.

Und siehe da, die kleine Unterbrechung wirkte Wunder, der Scheiß-Scheißhausdeckel war im Nu an seinem Platz. Ich konnte meinen Kram zusammenpacken und bekam einen Baustellenkaffee als Bezahlung.

Herr Titus inhalierte huldvoll drei Streifen getrockneter Entenbrust und begab sich in Ruheposition, um während der Espressodauer das neue Sofa für die Wohnungsbesitzerin ein wenig einzuliegen.🖤😎🥰