CAMOUFLABI

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Der Herr Titus hat viele rassetypische Eigenheiten, daneben aber auch den einen oder anderen individuellen und liebenswerten Tick. Da wĂ€re zum Beispiel sein ausgeprĂ€gtes Faible fĂŒr „Tarnen und TĂ€uschen“. Wobei seine Ansicht darĂŒber, was „nicht sichtbar“ ist, sich doch deutlich von der meinen unterscheidet
 😅

Er begann damit schon im Flauschfellalter. Gleich am zweiten Tag seines Einzuges bei mir welpenhoppelte er im Garten hinter ein BĂŒndel Schilfgras, sah verstohlen hervor und machte einen auf „Hier-entdeckt-mich-keiner“. Je mehr wir zusammenwuchsen, desto öfter fiel mir auf, dass er sich liebend gerne „versteckt“ und mich still von dort beobachtet. Diese Leidenschaft hat er mittlerweile zur Gewohnheit entwickelt.

In den allermeisten FĂ€llen sind die gewĂ€hlten Verstecke alles andere als blickdicht. Nicht geeignet, dem Herrn Titus auch nur ansatzweise eine getarnte Vorpasshaltung zu ermöglichen – doch das stört ihn nicht. Er setzt oder stellt sich hinter dĂŒnne Zweige, dĂŒrre GestrĂŒppe, blattlose StrĂ€ucher oder kraftlose GebĂŒsche. Er lugt agentenmĂ€ĂŸig links um BaumstĂ€mme, wĂ€hrend sein Po rechts davon zu sehen ist. Er schaut listig unter einem sturmgefĂ€llten Ast hindurch, wĂ€hrend oberhalb seine Rute deutlich hervorragt. (Das gleiche Spiel geht ĂŒbrigens auch indoor. Er legt sich etwa neben den TĂŒrstock und schielt suuupergeheim ums Eck, was ich im Nebenzimmer tue; vergisst aber darauf, dass bei seiner Pharaohaltung die Vorderpfoten meterlang in die TĂŒröffnung ragen
)

Wenn er im Wald wieder sein „Such-mich-doch-kannst-ja-gerne-versuchen-mich-zu-entdecken-Du-siehst-mich-sowieso-nicht-ich-dich-hingegen-schon“-Game spielt, tue ich manchmal so, als wĂŒrde ich ihn wirklich nicht sehen.Ich rufe ihn mehrmals, blicke dabei betont in andere Richtungen, mache Locklaute und warte ab. Sobald ich ihn „entdecke“, rufe ich laut „Daaa bist du!“. Dann schaut er mich gespannt mit listigem Gesichtsausdruck an. Und wartet, dass ich das Leckerli, das ich natĂŒrlich lĂ€ngst in der Hand halte, ins Unterholz werfe.

In der Sekunde lĂ€sst er Tarnung Tarnung sein, absolviert ein paar begeisterte BocksprĂŒnge in Richtung Aufprallstelle und macht sich schwanzwedelnd an die Suchaufgabe, wĂ€hrend ich weitergehe. Kaum hat er seine Beute gefunden, lĂ€uft er parallel zu mir durchs Unterholz, ĂŒberholt mich bis zum nĂ€chsten „geeigneten Versteck“, wo er Position bezieht, abrupt wie eingefroren stehen bleibt und mich beobachtet.

Ich will nicht behaupten, dass seine Tarnung wirklich jedes Mal gleich auffliegt. Denn ich habe ihn zugegeben schon das eine oder andere Mal nach eigener kurzer Ablenkung im Wald fĂŒr einen Moment aus den Augen verloren; mit einem kleinen heißen Schrecken Ausschau gehalten, die Sekunden in gefĂŒhlt endlose Minuten wandelnd, nach ihm gerufen, gepfiffen – ohne Reaktion.

Und – wĂ€hrend ich diverse begangene und noch nicht begangene SĂŒnden abbĂŒĂŸte – nicht gleich gesehen, dass er die ganze Zeit lĂ€ngst in meinem RĂŒcken hinter einem Baum stand und mich laut- und reglos dabei beobachtete, wie ich nach ihm suchte.

Deshalb ist mein Lachen beim „Entdecken“ meines persönlich zugewiesenen Geheimagenten zwar fast immer amĂŒsiert; gelegentlich aber eben auch mit einer gehörigen Portion Erleichterung gemischt.