FELLKONTAKT

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Der Herr Titus hat so seine eigenen MaßstĂ€be, wenn es um NĂ€he und Distanz geht. Oft will er einfach seine Ruhe und seinen Bereich fĂŒr sich.

Da ist Streicheln, TĂ€tscheln oder Knuffen im Grunde unerwĂŒnscht. Wenn Unwissende den unsichtbaren Vorgarten seines RĂŒckzugsortes durchqueren und ihre hundihaptik-hungrigen Griffel nach ihm ausstrecken, gibt er gutmĂŒtig eine Probe seiner labradorianischen Gelassenheit, lĂ€sst die Bekundung ĂŒber sich ergehen (das Quasi-Augenrollen ist nur fĂŒr Eingeweihte zu erkennen) und trollt sich dann in eine andere Ecke.

Auch beim Dogwalk heißt es „bitte-alles-nur-nicht-streicheln-schon-gar-nicht-beim-Loben-ich-bin-hier-im-Dienst-falls-du-das-nicht-merkst“.

In bestimmten Phasen hat er diesen „Ich-bin-mein-eigener-Hund“-Modus auch daheim. Da schnappt er sich dann seinen Kein-Bein-Panda oder ein anderes Exponat aus seinem Friedhof der Kuscheltiere und legt sich unter den großen Essigbaum in den Schatten. Oder ganz oben auf die Böschung im Garten, die Kiefer sanft um das Stoffding geschlossen, und schaut meditativ in die Ferne.

Am hĂ€ufigsten lebt er den „Ich-folge-dir-unauffĂ€llig-und-lege-mich- in-deiner-nĂ€heren-NĂ€he-hin“-Modus. Da schlapft er dann bei jedem Raumwechsel hinter mir durchs Haus (manchmal mit kleiner Zeitverzögerung; wĂ€hrend er abtestet, ob ich dann dort auch bleibe, oder wieder zurĂŒckkomme).

Er folgt mir ins Arbeitszimmer, trottet mit zur Waschmaschine hinunter oder liegt wartend gegenĂŒber dem Badezimmer, bis ich endlich gesellschaftstauglich bin.

Ab und zu lege ich mich spĂ€t abends draußen in den Liegestuhl und schaue in den Sternenhimmel oder zĂ€hle Sternschnuppen, da folgt er mir besonders gerne in den nĂ€chtlichen Garten, strollt ein bisschen im GebĂŒsch herum (Katzen da? Oder wenigstens Marder?) und legt sich dann direkt hinter oder neben mich hin (manchmal direkt auf eine Nacktschnecke, aber das ist eine andere, zĂ€here Geschichte…)

Ja und dann gibt es diese Gezeiten, wo man ihm gar nicht nahe genug sein kann.

Ich sitze da etwa am Sofa, wenn es den Herrn Titus ĂŒberkommt. Da schlendert er dann mit leicht gesenktem Haupt zu mir herĂŒber, drĂ€ngt sich an mich, bohrt sein Kopferl in meine Kniekehlen, zwĂ€ngt sich unter den Oberschenkeln durch, hĂ€lt genĂŒsslich still und nimmt, was er an Kraulen, Streicheln, TĂ€tscheln und Knuffen kriegen kann.
Manchmal wechselt er dann mit einer sehr engen Drehung die Seite und startet noch einen Herz-mich-bitte-Zyklus.

Oder legt unterm Tisch seinen Kopf auf meinen Fuß und schlĂ€ft selig, wĂ€hrend ich mich nach einiger Zeit trotz dringlichem BedĂŒrfnis lieber anpinkeln wĂŒrde, als ihn dabei zu stören 😊

Auch am frĂŒhen Morgen (allerdings natĂŒrlich nur an Werktagen) ist er extrem kuschelbedĂŒrftig. Und am Abend legt er sich gerne voll auf TuchfĂŒhlung am Sofa neben mich, dreht sich genĂŒsslich auf den RĂŒcken und lĂ€sst sich liebesbekunden.

Variante untertags: er kommt seitlich heran, wenn ich wo sitze, stellt sich auf die Hinterbeine und bugsiert seine Vorderpfoten samt Brustkorb quer ĂŒber meine Oberschenkel. Auf dass ich ihm dann streicheltechnisch Hals und Brustbereich ordentlich durcharbeite. (Das macht er auch ĂŒbrigens auch manchmal, wenn Videokonferenzen gar zu lange dauern. Da gibt es dann immer ordentlich große Augen bei anderen Teilnehmern, wenn das schwarze Biest, das sonst so unauffĂ€llig ist, plötzlich ĂŒber mich „herfĂ€llt“
)😊

Unbedingt nötig bei dieser Nummer : Eine Pfote muss dabei immer auf meinen Unterarm liegen. Ziehe ich diesen weg, hebt er die Pranke sofort hoch, um den Zustand nach Ablegen meines Armes wiederherzustellen.

Und dann gibt es natĂŒrlich noch den „Welpi-in-Kuschelnot“-Modus: manchmal liegt er spĂ€tabends in meiner NĂ€he am Boden. Wenn ich beim bettfertig machen vorbeikomme, hebt er den Kopf und schaut mich mit seinem besten „Nie-streichelt-mich-wer“-Hypnoblick an.
Der funktioniert bestens. Ich knie mich zu ihm und kraule ihn laaange als gÀbe es kein (Werktag)Morgen.
UnbestĂ€tigten Quellen nach brabble ich dabei auch etwas von „Du bist der allerallerbeste Butzi, den ich kenne
“ usw. Ich kann das zwar weder bestĂ€tigen noch dementieren. Aber wenn man seinen seligen Grinser vor Augen hat, den er in diesen Momenten aufsetzt, dann kann da schon was Wahres dran sein