FRISCHMACHER

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Der Herr Titus begleitete mich k├╝rzlich durch einen Tag voller Termine und Besprechungen. Der Morgen verlief zun├Ąchst recht unterschiedlich f├╝r uns: Das gnadenlose Weckersignal registrieren (ich), ignorieren (Herr Titus), gelenkschonend aus den Federn rutschen (ich), m├Âglichst lange im Nest rumlungern (Herr Titus), Espresso basteln (ich), g├Ąhndehnen (Herr Titus), zwischen Bad und Kleiderkasten hin und her wanken (ich), im Weg rumliegen (Herr Titus), sich den kleinen Zeh an einem Sofahaxen [seit wann steht dieses Ding bitte da?] zu sto├čen (ich), ausdruckslos meinen Fl├╝chen lauschen (Herr Titus), die Schuhe noch einmal umziehen, weil ein Schuhband rei├čt (ich), gelangweilt vor der Eingangst├╝r warten (Herr Titus), ungeduldig an der Kofferraumklappe warten (ich), laaaange noch an einem markierten L├Âwenzahnb├╝schel neben dem Wagen schnuppern (Herr Titus), in D├Ąmmertrance zur Zielstadt fahren (beide), dort eine Fr├╝hrunde drehen (beide) und dann in den ersten Termin tauchen (beide).

Die Zeiger der Wanduhr im Sitzungssaal umkreisten w├Ąhrend des Besprechungsmarathons das Zifferblatt manchmal schneller, manchmal langsamer; ein Ph├Ąnomen, ├╝ber das ich schon des ├ľfteren mit Herrn Titus am Weg nach unten im Lift philosophiert habe. Er sagt dazu nie viel, steht entweder an der R├╝ckwand der Kabine und macht ein Autogramm auf den Spiegel oder bei der T├╝re, und wartet, dass die Schiebet├╝r aufgeht.

Heute jedenfalls war die langsame Uhrentour dran, der Tag zog sich in die L├Ąnge wie ein Veteranenmarsch des Kameradschaftsbundes zum Kriegerdenkmal. Herr Titus zeigte sich entspannt, lag meist am T├╝rspalt, wo die k├╝hle Luft am besten zirkuliert, in den kurzen Pausen unterm ge├Âffneten Fenster oder unter der Klimaanlage. Dann waren wir endlich wieder im Auto. Mein Kopf voll mit Ballast und Planungen; einiges war zu tun, das Meiste unter hohem Zeitdruck zu erledigen. Der z├Ąhe Verkehrsfluss vor mir verst├Ąrkte das Gef├╝hl des Gehetztseins. Macht Platz, ich habe soooo viel zu tunÔÇŽ!

Beim Kreisverkehr vor der Autobahnauffahrt blickte ich in den R├╝ckspiegel. Herr Titus sa├č (was er sonst so gut wie nie beim Fahren tut, weil er sich immer gleich hinlegt) schaute auf die weite fr├╝hlingsbepflanzte, nachmittagsbesonnte Ebene neben uns und drehte dann den Kopf zu mir. Unsere Blicke trafen sich. Und ich verstand. Wie recht er doch hatte, mein Junge.

Ich nahm nicht die erste, sondern die dritte Ausfahrt und richtete den K├╝hler des Doggomobils statt Richtung Homeoffice Richtung DonauuferÔÇŽ

Das weitere Programm war klar: dauerstockirettungsschwimmen (Herr Titus), dauerstockiwerfen (ich), nasses Fell (Herr Titus), nasse Jeansbeine (ich), Sand auf den Pfoten (Herr Titus) und in den Schuhen (ich). Und als Herr Titus sich nach unz├Ąhligen Runden im besten Seeotterlook mit seiner Beute ins hohe Gras am Ufer fallen lie├č, um kurz zu verschnaufen, grinsten wir uns beide an. Es tat gut, ein bisschen Verpflichtung zu schw├Ąnzen und daf├╝r wieder Energie und Lebensfreude aufzutanken. Und es tat noch besser, wenn man es mit seinem besten Kumpel tat… ­čÉż­čľĄ­čą░­čśÄ