PAMPAWALK

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Der Herr Titus kann vieles. In mancher Hinsicht sogar ein Vorbild f├╝r mich sein. Das ist mir vor wenigen Tagen wieder einmal so richtig klar geworden, als wir uns fr├╝hmorgens f├╝r ein Seminar mitten im Outback wiederfanden. Wenn ich fr├╝hmorgens schreibe, dann meine ich wirklich fr├╝h. Und wenn ich Outback schreibe, dann meine ich so richtig PampaÔÇŽ

Damit der Herr Titus so einen f├╝r ihn eher unspannenden Tag gut aush├Ąlt, gehe ich mit immer vor Ort unsere Fr├╝hrunde. Weil der Seminarort aber hoch an der n├Ârdlichen Grenze zu Tschechien lag, mussten wir schon kurz vor 5 los. Wie gerne h├Ątte ich mich nochmal am Polster umgedreht…

W├Ąhrend der Bube noch ein wenig in seinem Hundenest weiterruhte, absolvierte ich den ├╝blichen Restaurierungskram im Bad und l├Âtete mir dann die Speiser├Âhre mit zwei italienischen Hardcore-Espressi zu.

Kurz darauf sa├čen wir im Auto. Dunkelheit, Nieselregen, K├Ąlte. Morgengrauen pur. Ein paar Autofahrer, die offenbar Nebelschlussleuchten zu Halloween geschenkt bekommen hatten und sie unbedingt heute direkt vor meinen m├╝den Augen ausprobieren wollten. Im Redneck-Gebiet gesellten sich dann auch noch Holztransportz├╝ge, Traktorunget├╝me und Autodahinschleichweltmeister hinzu. Eine baustellenbedingte, kilometerweite Umleitung, Nebeldichte und lustige Naviirrt├╝mer brachten mir ordentlichen Zeitverlust und richtig schlechte Laune ein. Immer wieder sah ich auf die Borduhr und ├╝berlegte, ob sich wohl ├╝berhaupt noch eine gute Runde mit dem Hund ausginge, ehe ich das Seminar er├Âffnen musste.

Schlie├člich schlugen wir vor dem Hotel zur Pr├Ąrie auf. Bewaldeter Parkplatz, das Areal menschenleer, kein Wunder, so fr├╝h am Morgen. Zwei Kr├Ąhen be├Ąugten uns feindselig, als ich Herrn Titus aus dem Heckabteil entlie├č. Sonst keine Bewegung in der herbstk├╝hlen ├ľdnis. Oh Mann, meine Laune sank auf Marianengrabenniveau. Ich h├╝llte mich fr├Âstelnd in meinen Daunenjacke und blickte noch einmal auf das Handydisplay ÔÇô wir waren sp├Ąt dran. Noch eine gute Stunde durch die Wildnis, dann blieb gerade noch Zeit, einzuchecken, den Buben zu f├╝ttern, mich umzuziehen und das Seminarleitergesicht hervorzuholenÔÇŽ

Ich blickte mich nach Herrn Titus um. Da stand er. Volle K├Ârperspannung, schwanzwedelnd, freudiger Grinser mit frech hervorlugender Zunge, unternehmungslustig blitzende Augen. Die Message war klar: ÔÇ×Hey cool, neue Umgebung, die Abenteuer warten, lass uns endlich loslegen, warte nur mehr auf dein Startsignal.ÔÇť

Ich deutete ihm mit einem Blick die Richtung an, schon spurtete er los. Erhobene Rute, mit einer Mischung aus Kreisen und Wedeln st├Ąndig in Bewegung, die Nase mal auf dem Boden, dann wieder in der Luft, lief er mit raschen Trippelschritten im Zickzack vor mir her. Wir passierten eine gro├če Wiese, auf der ein paar Kr├Ąhen m├╝├čig herumstanden. Herr Titus zog los, die Unholde zu verscheuchen. Ein wundersch├Âner Anblick, wie er schwarzpanthergeschmeidig ├╝ber das vergilbte Grasgelb jagte. Zur├╝ck kam er dann mit ausgelassenen Spr├╝ngen, seitlich herausbaumelndem Zungenrosa und herausforderndem Blick.

Seine unbeschwerte Laune war ansteckend; ich sp├╝rte ein inneres L├Ącheln aufsteigen. Um zum Wanderweg neben dem Fluss zu gelangen, mussten wir ein kurzes St├╝ck ├╝ber eine geschotterte Landstra├če und eine einsame Br├╝cke. Herr Titus trabte leichtf├╝├čig voran, blickte wichtig durchs Gel├Ąnder aufs Wasser hinunter und drehte sich dann zu mir um. Diesmal konnte ich nicht anders ÔÇô der fr├Âhliche Schalk in seinen Augen l├Âste den Rest meiner Morgenmuffelphase im Nu, ich musste laut auflachen. Unvermittelt lief ich los, ├╝ber die Br├╝cke, neben mir den besten Hund ever, der meinen Stimmungsumschwung mit fr├Âhlichem Hopsern quittierte. ­čÉż­čľĄ­čÖé#herrtitus