STEHERQUALITÄTEN

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Der Herr Titus hat viele FÀhigkeiten. Darunter auch eine ausgeprÀgte zum Stehen: Wo er steht, da steht er. Haben seine Pfoterln erst einmal Bodenhaftung aufgenommen, braucht es schon einiges an Geschick und/oder Kraft, ihm diese zu entziehen.

Dass der Herr Titus super stehen kann, zeigt sich bei vielen Gelegenheiten.

Da wĂ€re etwa das Talent, einfach im Weg rumzustehen. Besonders wenn man es eilig hat. Der enge Flur (zB. wĂ€hrend des Ankleidevorganges), der Durchgang bei der KĂŒche (vielleicht ist doch noch eine allerletzte KĂ€severgabe drin) oder beim Gartentor (wenn der Einkauf ins Refugium geschleppt werden soll) eignen sich hervorragend dazu. Dabei gilt der Grundsatz, „je eiliger das Herrl, desto steh der Hund“.

Gut zeigt sich die FĂ€higkeit zur VerwurzelungsĂŒbung, wenn der Herr Titus unterwegs einen interessanten Sammelpostingplatz inspiziert oder eine lĂ€ufige Wuffelpuppe ein Tropfogramm hinterlassen hat. Da parkt sich der Herr Titus ein, alle Balancesensoren sind darauf ausgerichtet, jede Art von Leinenzug im Voraus zu fĂŒhlen, auf dass die Haxerl sofort in der Maximalblockadeposition einrasten, die Pfoten optimalen Reibungswiderstand entwickeln, und zusĂ€tzlich das Gewicht geschickt verlagert wird – ein Weitergehen ist nur mit Brachialgewalt unter In-Kauf-nehmen eines Labiteralschadens möglich.

Auch beim Kuscheln beweist Herr Titus Stehvermögen. Ein paar Mal pro Tag schaltet er ja sein NĂ€he-Distanz-Thema ab und kommt sich einen Anteil an Knuddelnportionen holen. Meist schlendert er heran, bohrt seinen Kopf in meine Kniekehle, oder reibt ihn an meinem Oberschenkel. Manchmal legt er das Kinn auf mein Bein, dann wieder pfotelt er mich an. Oder er klettert mit dem Oberkörper auf meinen Schoß, legt beide Vorderpfoten und den Brustkorb auf mich und lĂ€sst sich tĂ€tscheln, kraulen, streicheln und knautschen. Dabei rutschen ihm die Hinterpfoten langsam weg, was er mit kraftvollen Steps immer wieder ausgleicht (Disbalance und mangelnde Bodenhaftung geht nun mal gar nicht!).

Ab und zu lege ich mich zu Herrn Titus auf den Boden oder ins Gras. Dann bleibt er neben mir stehen, beugt sich zu mir hinunter, stupst mich mit der Pfote, ich tÀtschle und kraule ihn.

Er lĂ€sst sich das genĂŒsslich gefallen. Besonders an dem speziellen „Hypnosepunkt“ im Schulterbereich, den ich einmal entdeckt habe (wird der Herr Titus dort ruhig massiert, kann er nach kurzer Zeit kaum widerstehen und legt sich entspannt hin). Ich warte auf die Gelegenheit, wo er ein bisserl nachgibt, und drehe ihn auf die Seite. Ganz kurz spĂŒrt man da seinen Impuls, stabilen Stand wahren zu wollen, gleichzeitig mag er sich aber durchaus gerne seitlich oder am RĂŒcken liegend in Vollkraulung begeben.

Ich drĂŒcke ihn dann sanft aber deutlich zur Seite und helfe ihm bei der Entscheidungsfindung. Ist er kuschelig drauf, lĂ€sst er sich von mir in Kuschellage bugsieren. Ist er nur auf NĂ€he und Aufmerksamkeit aus, springt er kurz vor dem Umkippen seitlich weg und schnappt sich schnell ein Spielzeug oder Stocki im Umfeld, dass er mir dann auffordernd hinhĂ€lt.

Manchmal bleibe ich im Haus oder unterwegs absichtlich einfach stehen, tue unschlĂŒssig, schaue ab und zu mal hier und mal da hin. Dann steht der Herr Titus neben mir, tut unschlĂŒssig, schaut ab und zu mal hier und da hin. Nach einiger Zeit setzt er zwar manchmal einen herzhaften ÜbersprungshandlungsgĂ€hner mit Abschlussfiepen, aber er bleibt stehen.

Ich versuche so lange wie möglich, ernst zu bleiben und den Unentschiedenen zu mimen. Irgendwann aber muss ich lachen, beuge mich zu ihm hinunter und stupse oder tÀtschle ihn an.
Dann löst er sich mit einem kleinen ĂŒbertriebenen Keuchen, einem unternehmungslustig hoch erhobenen Kopf und einem ponyĂ€hnlichen HĂŒpfen aus der Demenzposition und springt zum nĂ€chstgelegenen herumliegenden Spielzeug oder Kauknochi, um mit mir damit „zieh-doch-wenn-du-kannst“ zu spielen.
Oder ich sage gedehnt „Duhuuu, weißt du was wir jetzt machen?“, genieße seinen plötzlich sehr aufmerksamen Blick und den leicht gedrehten Kopf und setze nach: „Spaaaaazieren!“

Und dann bewundere ich jedes Mal aufs Neue, wie schnell der Hund vom Steher zum Geher werden kann. đŸ–€đŸŸđŸ„°đŸ™‚