WECKSCHNECK

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Der Herr Titus hat zwei unterschiedliche Arten, wach zu werden. WĂ€hrend an Arbeitstagen der innere Schweini den Labi zum Lahmi macht, gibt am Wochenende und freien Tagen der Herr Titus manchmal dem Begriff „Morgengrauen“ eine neue Bedeutung, so verdammt wach und unternehmungslustig, wie er da in aller FrĂŒhe vor meinem Bett steht
.

Heute will ich mich den Momenten widmen, wo ich es bin, der den Butzi aus seinen TrĂ€umen scheucht. Mein erster Blick morgens beim Aufwachen geht Richtung Hundenest unterm Schlafzimmerfenster. Meist liegt Herr Titus dann da wie ein KĂ€nguru in Vollnarkose. RĂŒckenlage, Vorderpfoten angezogen, die Hinterhaxerl entspannt gegrĂ€tscht, der Körper gestreckt oder auch mal unheimlich gebogen und verdreht. Manchmal ist er aber auch unglaublich zusammengerollt, wie ein Engerl(ing). Wie klein er da wirkt… đŸ„° Gelegentlich liegt er aber auch ausgestreckt auf der Seite, die Beine lang, den Kopf nach vorgestreckt. Wie groß er da wirkt… 🙃 Ich lasse ihn zunĂ€chst weitertrĂ€umen, wanke zur Espressomaschine. Komme ich vom Morgenlackerl und Beißerschrubben aus dem Bad, liegt der Herr Titus dann entweder noch immer im Halbdunkel des Schlafraumes. Oder er hat sich auf das Sofa ins Wohnzimmer geschleppt und trĂ€umt dort weiter.

Mit dem Espresso doppio in der Hand gehe ich hinĂŒber, hocke mich zu ihm, spreche ihn leise an und berĂŒhre ihn, meist an der Backe und seitlich am Hals kraulend. Er liegt da, ganz bettwarm, tiefenentspannt. In den meisten FĂ€llen kuschelt er sich bei meinen ersten BerĂŒhrungen noch tiefer in seine Liege, dreht mir Bauch und Brust zu, die Streichelzuwendungen voll genießend. Manchmal hebt er aber auch schon bei meiner AnnĂ€herung den Kopf, wendet sich ab und legt ihn zur Seite gedreht schwer ab. Er lĂ€sst sich dann zwar huldvoll anfassen, ist allerdings im „haach-du-immer-mit-deiner-ĂŒberschĂŒssigen-Energie-am-Morgen-lass-mich-bitte-endlich-einmal-ein-wenig-schlafen“-Modus.

Schließlich ist endgĂŒltig Zeit zum Abmarsch, ich rufe den Buben. TrĂ€ge hebt er sein Kopferl, gĂ€hnt, rutscht nach ein paar laaangen Reaktionssekunden gnadenhalber vom Sofa, gĂ€hnt wieder. Dann eine Einheit Hunde-Yoga (herabschauender und aufschauender Hund), soviel Zeit muss sein. Ein Schritt in meine Richtung, dann wird noch laaaaaange der rechte Hinterhaxen nach hinten gestreckt und gedehnt, der linke darf nicht vernachlĂ€ssigt werden. Er geht ein, zwei Schritte – und legt sich in Sphinxhaltung und dem „Aus,-Ende,-da-geht-heute-nichts,-Herr-Chen,-das-siehst-du-doch“-Modus hin. Ich muss lĂ€cheln. „Hey, Butzi, komm jetzt!“. Schließlich steht er in Anubis Namen auf und trottet neben mir die Treppen hinunter. Ich mache mir den Spaß und halte an. Er bleibt er sofort stehen. Ich gehe weiter, zwei, drei Stufen. Er geht mit. Ich bleibe stehen. Er wartet auch. Dann setze ich mich auf die unterste Stufe , er setzt sich vor mich, ich herze und knuddle ihn einmal ordentlich.

WĂ€hrend ich mir die Schuhe anziehe, gĂ€hnt er mich mehrfach an. Ich nehme die Laptoptasche, er weiß sofort, das heißt Auto und dann vor Ort unsere Morgenrunde drehen. Ich leine ihn an, er latscht trĂ€ge im Schneckenmodus neben mir dahin, muss unbedingt an dem Löwenzahn neben meinem Gartentor das jĂŒngste Hundeposting lesen. Ich gehe weiter zum Auto, die Leine spannt sich nach hinten, der Herr Titus muss nĂ€mlich genau jetzt eine unsichtbare Markierung auf der Gartenmauer laaaaaaaange und in verschiedenen Höheebenen beschnuppern. Dann schlapft er weiter, voll im „so-warte-doch-mal,-ein-junger-Labi-ist-schließlich-kein-ICE-Zug“-Modus. Schließlich sind wir beim Kofferraum, er hĂŒpft hinein und lĂ€sst sich sofort entkrĂ€ftet auf seine Decke fallen. Nach ein paar Metern bĂŒselt er schon wieder tief und fest.

Am Ankunftsort öffne ich den Kofferraum, denke an den bettwarmen, herzigen Morgenmuffel von vorhin – und schaue in blitzende, unternehmungslustige Nutellaaugen. Der Hund, der da elastisch und energiegeladen heraushĂŒpft, vor und zurĂŒck trippelt, sich aufmerksam und neugierig umschaut, wedelnd auf ein Zeichen wartet, in welche Richtung wir jetzt gehen, und voll losdĂŒsen will
 kaum zu glauben, dass das derselbe Fellbub ist, den ich gerade vor 45 Minuten wie eine Schwerlast ins Auto bugsieren musste. LĂ€chelnd marschiere ich mit ihm los, den Abenteuern unseres Tages entgegen. Und wappne mich schon. Denn das nĂ€chste Wochenende kommt bestimmt. Und dann geht es genau andersrum in Sachen Weckschneck… đŸŸđŸ„°đŸ˜…đŸ–€