WILD THING

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Der Herr Titus hat eine wilde Seite. Und an manchen Tagen genieße ich es ganz besonders, ihn dabei zu beobachten, wie er diese auslebt. Ein klein wenig beneide ich ihn sogar darum, wenn er die Kraft und Geschmeidigkeit so unvermittelt nutzen kann. Und ich sehe ihm lächelnd zu…

… wenn er seine verrückten Minuten zelebriert und wie ein Irrer durch den Garten kreist. Wenn er mit einem anderen Hund spielt, plötzlich das Hinterteil senkt und die Rute anlegt und dann losfetzt, mit vollem Karacho, Hindernisse überspringend oder im letzten Moment ausweichend.

… wenn er voll unter Strom steht, etwa nach einem Vollbad im kalten Waldbach, jeden Muskel unterm schwarzen Seeotterfell angespannt, dich mit Adrenalinaugen anschaut, wartet dass du ihm etwas wirfst, dem er nachjagen kann.

… wenn er aufgeregt einer Spur folgt, mit schnellen trippelnden Schritten, die Nase tief am Boden, die Rute in einem Mix aus kreisenden, wippenden und wedelnden Bewegungen. Wenn er mittendrin etwas hört, ganz tief im Wald, und den Kopf mit einer blitzschnellen Bewegung hochreißt, dass die Ohrlis nur so hochfliegen und dann äußerlich ruhig, innerlich aber vibrierend, mit voller Körperspannung steht und lauscht.

… wenn er mit weit ausholenden Sprüngen, kraftvoll und elastisch, in einen Fluss fetzt um ein geworfenes Stocki zu bergen. Oder einen Steg entlang sprintet um sich mit einem Hechtsprung in einem Teich zu versenken.

… wenn er mitten aus der Bewegung mit voller Sprungkraft über einen umgestürzten Baum oder einen Bachlauf setzt und weiterläuft, als wäre nichts gewesen.

… wenn er, mit Urgewalt zerrend, einen halben Mammutbaum aus dem Unterholz birgt und den Waldweg entlang schleppt (nicht ohne deinen Kniekehlen einen anständigen Hieb damit zu verpassen; auf dass du nicht unelastisch wirst).… wenn er begeistert, voll Sand, Schlamm und Dreck, durch eine Reihe langer Pfützen pflügt, und weil es so schön war, gleich noch eine Runde anhängt.

… wenn er ein Stofftier, die Lederhaut eines luftleer gebissenen Balles schüttelt, einen Karton atomisiert, mit energischen Bewegungen seines muskulösen Nackens.

… wenn er mit dir um ein Seil, ein gestohlenes Sofakissen oder einen ordentlichen Ast um die Wette zerrt, die Beine in den Boden gestemmt; der ganze Body auf Rückwärtsgang getrimmt, mit ruckenden Bewegungen versucht dich auszuhebeln, dich dabei mit entschlossenem Blick fixiert und keuchend, aber um nichts in der Hundewelt auslassen wollend, auf das Nachlassen deiner Fingerkraft setzt.

… wenn er, aus weiter Entfernung abgerufen oder auch zur Begrüßung nach kurzer Trennung, zu dir rast, als gäbe es kein Morgen…

Seufz. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Was auf jeden Fall immer passiert, wenn ich ihn dabei so beobachte, wie er ungestüm und unbeschwert seinen Spaß lebt: auch mein eigenes Energielevel wird gleich angehoben, der Tag ist gleich nochmal ein Stück besser.

Und manchmal kann ich sie dann hören, die Troggs, wie sie irgendwo in meinem Herzen singen: Wild thing, You make my heart sing, You make everything groovy, Wild thing, I think you move me, Wild thing I love you. 🖤🐾🥰🥰#herrtitus#herrtitusdasbuch